Montag, 20. Oktober 2008

Prüfungen - Reisen - AIESEC-Konferenz

Hallo ihr,

ja ich lebe noch :) und es geht mir gut. Es ist nun tatsächlich schon eine ganze Weile her, dass ich das letzte Mal was geschrieben hab'. Seitdem ist natürlich eine ganze Menge passiert und leider erinnere ich mich weder an alle interessanten Details, noch möchte ich ein halben Roman schreiben. Deswegen schreib ich einfach was mir in den Sinn kommt; ich hoffe es wird dadurch nicht zu chaotisch.

Nach dem letzten Eintrag folgte zunächst mal eine Zeit in Buenos Aires, die mit den ersten Zwischenprüfungen zu Ende ging (September), dann eine 2 wöchige Reise nach Chile und in Argentinien (erste Hälfte Oktober) und jetzt noch eine AIESEC-Konferenz hier in und um Buenos Aires (Freitag bis gestern).

Ich werde mich mal von der Gegenwart in die Vergangenheit hangeln, da die Erinnerungen an die nahe Vergangenheit noch am lebendigsten und somit interessantesten sind. Wenn ihr gerade keine Muse habt auf so viele Buchstaben, hier geht's direkt zu den Bildern.

AIESEC-Konferenz "Activating Heroes Buenos Aires 2008"

Als ich letzten Dienstag von meiner Reise zurückkam, war u.a. eine E-Mail von Andrés einem AIESECer in meinem Postfach. Er bot mir an mich noch nachträglich zur Konferenz anzumelden, wenn ich Lust habe. Ich war hin und her gerissen, da ich dort weder irgendjemand richtig kannte, noch wusste, ob meine Spanischkenntnisse ausreichen würden dort gewinnbringend teilzunehmen oder mich die ganze Zeit nur langweile. Glücklicherweise überwand ich meine Hemmungen, indem ich mir zum einen in Erinnerung rief, dass bisher jede AIESEC-Konferenz eine super Zeit und große Bereicherung war und man manchmal seinen eigenen Schweinehund überwinden muss und sich aus seiner "Komfortzone" herausbewegen muss, auch wenn man dann evtl. auf unangenehme Situationen stößt. In meinem Fall war meine Befürchtung eben auf der Konferenz nich wirklich Anschluss zu finden.

08-10-19 AIESEC Activating Heroes


Im Endeffekt bin ich wirklich sehr froh mich überwunden zu haben und habe trotz teils komischen Momenten (à la "neben wen setz ich mich den jetzt" über "was reden die da gerade" und "argh, ich würde jetzt gern was sagen kann es aber nich richtig formulieren") eine super interessante Zeit gehabt, viele nette Leute kennengelernt und viel gelernt. Der Freitag der Konferenz war in Buenos Aires und stand unter dem Thema "Nachhaltigkeit". Es gab viele Firmen und Verbändevertreter, die über CSR, NGOs, etc. gesprochen haben und mit denen wir Case-Studies bearbeitet haben. Am Abend gings dann ins 2h entfernte Luján, wo wir das Wochenende viele AIESEC spezifische Workshops hatten. Mt von der Partie waren 4 Lokalkomittees: Buenos Aires, Montevideo (Uruguay), Córdoba und Tandil.

Reise nach Valparaiso (Chile) - Mendoza - Puerto Madryn

Etappe 1: Valparaiso (Chile)

Nachdem ich meine 2 "parciales" absolviert hatte, war es Zeit mal aus Buenos Aires rauszukommen und auszunützen hier in Südamerika zu sein. Lisa (mit der ich den ersten Teil der Reise unternahm) und ich sind dann also am Mittwoch gemeinsam mit dem Bus über Mendoza nach Valparaiso in Chile gefahren (21 h). Unterwegs haben wir logischerweise die Anden überqueren müssen, was im Endeffekt aber gar nich so spannend war. Dummerweise hatte ich aber auch vergessen den Busfahrer zu beten mich zu informieren, wenn wir am Aconcagua (höchster Berg in Südamerika 6xxx m) vorbeifahren. In Chile angekommen war es zunächst mal interessant den doch unterschiedlichen Menschenschlag (indigener, kleiner, viel leiser, dunkel angezogen und meiner Meinung nach nicht so hübsch ;)) samt anderem Akzent (das "s" wird konsequent unterschlagen) und eigenen Modewörtern ("oye", "sipo") zu sehen.


08-10-02 Valparaiso (Chile)
Gewohnt haben wir bei Freunden von meiner Schwester aus Dresden. Valparaiso liegt wirklich paradisisch über Hügel verteil direkt am Meer (so stell ich mir Rio vor) und hat eine angenehme Größe (nich zu groß, nich zu klein). Das Haus von denen war auch genial gelegen mit einem kleinen Garten durch den ein Flüsschen floß und mit Meeresblick (wenn ich da an meine Wohnbatterie mit Straßenblick und 100 db zurückdenke ;)). Am ersten Abend gab's dann erst mal Reyneta (typischer chilenischer Fisch, extrem praktisch da groß und quasi 100% Filet) a la "Seviche". Dabei wird der Fisch anstatt zu kochen einfach in einer Mischung aus Chili und Limonensaft gegart durch die Säure und Schärfe. Am Freitag ging's dann zur Sommerresidenz von Pablo Neruda (@Berni: cool, dass du da auch schon dein Unwesen getrieben hast ;)) einem etwas durchgeknallten (das Haus ist voller bizarrer Sammelobjekte) chilenischen Literaturnobelpreisträger. Das Haus selbst ist ein Traum und liegt noch viel traumhafter (Blick direkt vom Bett durch Bodentiefe Glasscheiben auf einen wunderschönen Sand/Felsstrand).

Angetan von diesem Luxus sind wir dann Samstags mit vollbepackten Rucksäcken selbst losgezogen und zu einem 2h von der Zivilisation entfernten Traumstrand gelaufen, wo wir dann nach vielem herumirren auch ankamen und mit Lagerfeuer am Strand die Nacht und den halben Sonntag verbrachten. Außer uns war noch eine Gruppe von Chilenen vor Ort, die uns nachts dann auch fleißig mit Wein ("vinito, vinito") und dem chilenischen Nationalgetränk Pisco (Fusel, aber gemischt mit Limone und geschlagenem Eiweiß sehr lecker, nennt sich dann Pisco Sour) versorgten. Sonntags wurden dann die Felsen beklettert, die Sonne genoßen, der Pazifik besucht (fast 30 sek lang!!) und zurückgewandert. Nach einem stärkenden Risotto samt schlafunterstützendem Wein gings dann mit dem unbequemen Nachtbus über die Anden zurück nach Mendoza. Unterwegs wird man dann freundlicherweise um 2:00 schlaftrunken an der Grenze von Schalter zu Schalter dirigiert.

Etappe 2: Mendoza

Wir kamen dann Montag morgens um 6:00 in Mendoza an und haben uns erst mal auf die Suche nach einem Hostel gemacht, um dort dann nochmal 2h zu schlafen. Wir kamen dann im Campo Base, einem HI Hostel, unter, was auch ganz in Ordnung war. Den ersten Tag haben wir dann ganz gediegen in Parks und Cafés verbracht und die nächsten Tage geplant. Die Stadt ist echt wunderschön, voller Parks und sehr ruhig, aber nicht verschlafen. Sie liegt am Fuß der Anden und ist umringt von einem Meer an Wein-Bodegas.

Am Dienstag gings dann zum Paragliden. Ein Sprung kostet hier halt umgerechnet knappe 45 EUR inkl. allem und ist damit verglichen mit Europa (100-180 EUR) ein Schnäppchen. Wir sind dann also zunächst mit Jeeps in die Vorkordilleren gedüst, auf einen Hügel der relativ zu Mendoza 650m weiter oben liegt. Dort hat man einen traumhaften Ausblick mit Mendoza und Weinfeldern auf der einen und schneebedeckten Anden auf der anderen Seite. Nachdem der Tandemkollege dann sorgfältig seinen Schirm startklar gemacht hat wird man in ein Gurtegerüst samt Notfallschirm verfrachtet und an seinen Tandempartner angekettet. Der Start ist dann schon ziemlich cool, wenn auch weniger spannend wie ich dachte/hoffte. Man läuft nämlich einfach vorwärts und fängt dann an ein wenig loszurennen und schwups die wups wird man vom Schirm nach oben gezogen und kann losfliegen. Am Anfang sind wir dann über die Hügel gekreist auf der Suche nach Thermiken, die wir zum weiteren aufsteigen nützen können. Die Bedingungen waren scheinbar extrem günstig, was mein Kollegen zu immer mehr Freudensausrufen animierte. Lisa flog gleichzeitig (mit dem 2-fachen argentinischen Champion im Distance-Flug) und unsere 2 Kollegen machten ein paar Manöver nebeneinander. Irgendwann gings dann über das freie Feld und es ging los mit den Tricks. Zunächst mal eine Spirale, bei der man immer weiter beschleunigend nach unten dreht und wilde G-Kräfte zu spüren bekommt. Mit der Geschwindigkeit kann man dann am Schluss wieder nach oben ziehen und erreicht dann einen Punkt der Schwerelosigkeit (ungefähr wie beim Schaukeln am oberen Ende, blos halt bissle weiter oben). Dann gab's noch den "wing-over", bei dem man von links nach rechts schaukelt und teilweise über seinem eigenen Schirm ist, auch hier gibt's wieder "zero-gravity". Lenken durfte ich dann auch ein wenig, aber die Tricks wollt er mich dann doch nich machen lassen. Die Landung ist dann auch wieder deutlich weniger spektakulär wie erwartet. Statt wildem rumgerenne und halben Überschlägen kommt man quasi direkt zum Stehen. Alles in allem war es extrem cool und hat sich auf jeden Fall gelohnt. Das nächste Mal will ich dann aber schon alles selber machen dürfen ;). Den Abend haben wir dann ganz im Backpacker-Stil mit allerlei Weltenbummlern und den üblichen Gesellschaftsdrogen im Hostel verbracht.

08-10-06 Mendoza


Am Dienstag ging's dann mit einer Tour (kann jedem nur empfehlen, dass nicht mit einer Tour sondern auf eigene Faust zu machen, is einfach flexibler, billiger und witziger) auf dem Radel durch die nahegelegenen Weingebiete von Bodega (Weingut) zu Bodega. Insgesamt waren wir bei 3 Weingüter, einem Olivenhain und einem Likörhersteller. In den Weingütern haben wir gelernt wie man Wein probiert (sehr interessant und man nimmt viel bewusster war, was man da eigentlich für einen Tropfen vor sich hat: erst Glas neigen und mit der Nase riechen, dann Farbe begutachten, anschließend "öffnen", d.h. durch das berühmte Kreisen den Sauerstoff hinzufügen, anschließend erneut neigen und riechen, der Geruch ist hier schon deutlich verschieden, dann kosten und Wein im Mund von einer Seite zur anderen bewegen). Wir haben dann natürlich ordentlich probiert und eingekauft. Am coolsten war aber fast der deutsch-französische Argentinier, der zig verschiedene Liköre, Schnäpse und Konfitüren selbst herstellte. Ich durfte sein Dulce-de-Leche-con-Chocolate-Likör und sein Kaffee-Likör probieren - weltklasse!

Lisa ist dann abends nach Buenos Aires zurückgefahren und ich hab mehr oder weniger spontan meine Reise noch verlängert. Ich bin dannnoch eine nacht in Mendoza gebliben und am nächsten Tag wieder in die Vorkordilleren, um dort klettern zu gehen. Für mich war es das erste mal am Felsen draußen und es war genial. Dass der chillige Argentinier der mich sicherte nebenher Mate getrunken hat, muss ich ja glaube ich mittlerweile nich mehr erwähnen ;)). Die Rückfahrt nach Mendoza war dann nochmal recht spannend, nachdem der Bus irgendwie nich kam bzw. wir ihn nicht erkannt haben, ich kam dann just-in-time noch zum Busbahnhof um meinen Bus nach Puerto Madryn zu bekommen.

Etappe 3: Puerto Madryn / Península Valdez

Ein paar Fakten zur Busfahrt: 25h, semi-cama (schlechteste Klasse), erst schlafwandelnder Nebensitzer, dann Minenarbeiter, zu jedem Essen ein Alfajor (= 4), Luftlinie 1200 km. Die Busfhafrt war aber im Endeffekt lang nich so schlimm wie befürchtet. Auch mein Opi, der mich nachts in seiner Schlafwandlung gehauen hatte und den ich dann aufwecken musste ;), war alles in allem ein super Typ und ich hab mich prächtig mit ihm über die verschiedenen Provinzen Argentiniens, Pinienkernsammler und Klimawandel unterhalten. Der zweite war aber eigentlich noch cooler. Der muss doch tatsächlich alle 10 Tage von seinem Wohnort 20h Bus zu seinem Arbeitsplatz in Südpatagonien fahren. Dort arbeitet er in einer Silber- und Goldmine in der Lagerhaltung. War ein cooler Typ der mich über Deutschland ausgefragt hat und auf nachfragen immer die Landschaft (was wird angebaut, welcher Vogel, welcher Fluß) erklärt hat.

08-10-10 Puerto Madryn


In Puerto Madryn hab' ich mich dann mit ein paar andern Austauschstudenten meiner Uni (übrigens, wen's interessiert, hier gab's vor kurzem ein Artikel über meine Uni, is aber auch nich alles wahr darin ;)) getroffen. Abends sind wir dann gleich mal Fisch, Muscheln, etc. essen gegangen, was sich für eine Stadt am Meer ja gehört. Das hat sich dann am nächsten Tag gerrächt. Im Laufe unserer 300km Tour über die Península hat sich angefangen von meinen Oberarmen mein Oberkörper rot verfärbt. Ich hatte irgendwann dann doch ganz schön schiss, weil ich dachte mich hat etwas gestochen und ich reagier jetzt allergisch. Mein Notfallkit hatte ich natürlich nicht dabei. Die nächste einigermaßen größere Stadt war halt 3h Autofahrt entfernt und Handyempfang gabs auch nicht. Es blieb dann glücklicherweise rot und hat gejuckt und wurde nicht schlimmer, bis ich abends ins Krankenhaus gegangen bin, mit der Scharlatan dort erzählte, dass sei eine Reaktion auf einen Flohbiss und mir eine Spritze mit Antihistaminikum reingejagt hat. Es war dann auch gut bis zur Mitte des nächsten Tages, wo es mit aller Gewalt zurückkam und wir gleichfalls ewig von der Zivilisation entfernt waren. In einer andern Stadt bin ich dann wieder in ein Krankenhaus und der Arzt hatte dort zum Glück mehr Plan und meinte es sei niemals ein Flohbiss, sondern höchstwahrscheinlich eine Reaktion auf ein Lebensmittel (vermutlich Meeresfrucht oder Fisch) und würde ein paar Tage dauern. Mit seinen Tabletten war's dann aber top.

Aber zurück zur Tour am Samstag. Die Landschaft dort unten ist äußerst karg. Es gibt 120 Pflanzen, nicht mehr und im Prinzip leben alle von der Schafzucht. Der Rest lebt vom Tourismus und der begründet sich einzig und allein auf der einzigartigen Fauna. Die Península ist nämlich der "Heimathafen" von ca. der Hälfte aller südlichen Glattwale (40 Tonnen, 20m), Heimat einer Unzahl von Pinguinen, Seelöwen und Seeelefanten, komischen Hasen und Lama-ähnlichen Guanacos und nicht zu vergessen Millionen von Schafen.

Die zwei besten Dinge an dem Tag waren zum einen die Schafestancia, bei der wir sowohl das Scheren (1,5 min pro Schaf), als auch bei der Kastration (neue Methode: Gummiring um Hoden, die fallen dann irgendwann ab; alte Methode: Schaf auf Pfahl setzen, Hoden in den Mund nehmen und kräftig zubeißen). Das andere war das Wale-Gucken (wie übersetzt man eigentlich "whale-watching"??). In dem kleinen Golf, der sich dort bildet tummeln sich ca. 1000 Wale. Hauptsächlich Mütter mit ihren Neugeborenen (die wachsen bis zu 3cm pro Tag!). Die Wale sind enorm und kommen hautnah ans Boot heran. Wahnsinn, dass es so große Tiere gibt und die dabei noch so schlau sind.

Am Sonntag haben wir uns dann Autos ausgeliehen und sind 180km nach Süden geheizt, wo eine riesige Pinguinkolonie lebt. Schaut euch einfach die Bilder an, sehr cool! Am Montag vor der Abreise haben wir uns dann noch Fahrräder ausgeliehen und sind ein wenig an der Küste entlanggeradelt.



So, hab jetzt erst mal keine Lust mehr. Hoffe euch gehts allen gut!!

Jo, Joe, Jojo

Donnerstag, 28. August 2008

Pferdewetten

So, jetzt melde ich mich mal wieder. Die Zeit vergeht hier schneller als man denkt. Schuld daran dürfte nicht zuletzt der mir immer noch unverständliche Lebensrythmus hier sein. Weggehen bis die Sonne wieder scheint und gleichzeitig morgens wo verabredet sein. Aber irgendwoher muss es ja kommen, dass die Porteños angeblich am wenigsten auf der Welt schlafen... und gleichzeitig besitzen die Leute hier trotzdem eine angeborene Fröhlichkeit, die einfach nur beeindruckend ist. Bei beinahe vielzajl der Unterhaltungen, die ich hier beobachte, lacht mindestens einer gerade. Wenn ich so wenig schlafe muss da schon einiges geschehen (oder haben die alle noch Restalk ;)?).

Mittlerweile hab ich mich auch an die Straßenverhältnisse gewöhnt und kann ca. 3 min. laufen ohne zu stolpern. Anfangs wr das anders, denn diese unglaubliche Ebenheit der Straßen, die in Deutschland existiert ist hier einfach unvorstellbar. Dazu kommt noch der tägliche Hundehaufen-Slalom (jepp, da liegt viel Biomasse auf der Straße!).

08-08-23 Empanadas


Kurz zu den kulinarischen Köstlichkeiten der vergangenen Tage: Letzte Woche habe ich zweimal die so gepriesene selbstgemachte Pasta gekauft, die es hier in eigens daüfr vorgesehenen Läden zu kaufen gibt. Der Spaß ist nicht günstig, dafür erhält man selbstgemachte Caneloni, Tortellini, Gnocchi, ... und es lphnt sich. Auch die Facturas (Gonszcz: Wenn du immer noch vorhast hier im Bäcker zu übernachten, ich bin dabei!) - zu deutsch/schwäbisch: süße Stückle - sind auch unglaublich (sowohl preislich als auch geschmacklich. Neben den Medialunas (süßen Croissants) faszinieren mich vor allem die mit Dulce de Leche (Nutella auf aregntinisch [und sie sind mächtig stolz drauf]) gefüllten Taschen. Letzten Samstag haben wir dann in der WG (mit ca. 10 hungrigen Gästen) Empanadas selber gemacht. D.h. Teigtaschen gefüllt mit z.B. Fleisch und Zwiebeln, Schinken und Käse, Hühnchen, Mozzarella und Tomate, ... . Und wieder erwarten waren sie gut! Am Sonntag hat dann Fernando - mein hondurenischer Mitbewohner - gekocht: hondurenisches Hühnchen - lecker!. Anfangs dachte ich noch ich könnte mir ja ne Waage zulegen und mein aktuelles Gewicht im Blog angeben, mittlerweile habe ich schon leicht Angst davor ;). Ne, ich war mittlerweile sogar schon ein paar mal laufen im nahegelegenen Park. Allerdings muss ich dazu erst mal 20 min durch "Malos Aires" joggen und meiner Lunge gefühlte 20 Zigaretten zuführen.

Ansonsten hab ich mich letzte Woche ein wenig mit dem argentinischen Gesundheitssystem vertraut machen dürfen, da ich hier meine Hyposensibilisierung gegen Wespengift fortführen muss. Quintessenz (von dem was ich verstanden hab): es gibt Privat und Kasse und das kommt darauf an, wo man gerade arbeitet, d.h. der Arbeitgeber hat eine bestimmte Kasse bei der man dann ist. Ich als Ausländer muss bar zahlen. Für einen Besuch in der Sprechstunde im "Hospital Aleman" (Deutsches Hospital) bedeutete das für mich 23 EUR.

Auch verwirrt hat mich der Sonnengang hier. Anstatt von links nach rechts (Blick nach Süden, von Ost nach West) geht die Sonne hier von rechts nach links (Blick nach Norden, von Ost nach West). Ich war kurzfristig echt verunsichert was da los ist ;). Aber prinzipiell ist am Wetter hier nichts auszusetzen, solche Winter würde ich mir in Deutschland auch wünschen (mal sehen was ich hier im Sommer sage, insbesondere nach den Geschichten die ich über die Geruchs- und Wärmeentwicklung in der 120%-gefüllten U-Bahn gehört hab).

Ach ja und fast hätte ich meinen Einsatz bei einer Pferdewette verzehnfacht. Ganz in der Nähe gibt es eine Pferderennbahn (Hipódromo), wo wir (WG, Schwester, 2 Argeninier) Montag letzte Woche waren. Schon für ein Peso kann man mitwetten (und ehrlich gesagt ist es ohne wetten saulangweilig ;)). Entgegen meiner ersten Intention hab ich auch nicht auf die ältesten Pferde gesetzt sondern auf mittelmäßige. Leider hats der eine Gaul dann doch nich so gerockt... Aber spannend war's ;).

08-08-20 Hipódromo und mehr


Was absolut unfassbar ist - und ich weiß es klingt spießig, aber das geht einfach gar nich klar - die Geschwindigkeit der Kassiererinnen im Supermarkt. Ich hab's ja echt nicht geglaubt anfangs, aber die sind einfach abartig(!) langsam. Barcode suchen - Scannen - auf Bildschirm blicken - Tüte öffnen -Produkt einpacken - Frage von Kunden beantworten - einen anlächeln - Etikett von nächstem Produkt glattstreichen - .... Unbeschreiblich. 3 Leute vor dir bedeutet min. 20 min warten. Ich würd die gerne alle mal zum Aldi zum Crashkurs schicken, aber vermutlich würden die am Herzinfarkt sterben.

An der Uni ist alles im Lot. Meine Montag/Freitag-Klasse habe ich mittlerweile aufgegeben. War einfach zu uninterssant und für den geringen Mehrwert zu viel Arbeit. Mittlerweile wird mir auch der Unterschied zwischen einem Großteil meiner Kommilitonen und dem Ottonormal-Argeninier klar. Letzterer kann sich keine 600 Dollar (=mehr als das durchschnittliche Monatsgehalt) leisten und hat im Normalfall auch kein iPhone (kein Spaß!). Aber es gibt auch viele sehr nette und am Boden geblieben Argeninier und dank meiner mittlerweile besseren Spanischkenntnisse kann ich mich jetzt auch mit ihnen unterhalten ;) (sehr gutes Gefuehl muss ich sagen, vor allem weil es in den ersten Tagen einfach sehr frustrierend war). Meine Dienstag- und Donnerstag-Klasse (Thermische Maschinen, sprich Dampfkessel, Turbinen und Motoren) ist zudem sehr interessant und praxisnah wenn auch recht anspruchsvoll. Aber der Prof. ist extrem nett und kommt öfters nach dem Unterricht und fragt mich, ob ich's verstanden hab. Zudem kann er ein _wenig_ Deutsch, was er im Unterricht auch immer dadurch demonstrieren muss, indem er die paar Wörter die er auf Deutsch weiß in Klammer dahinter schreibt. Da er das aber nich angekündigt hatte haben meine werten argentinischen Kommiltonen das für Fachwörter gehalten und gleich mal mit abgepinselt ;)). Das sind dann so schwierige Wörter wie "Wärme" oder "Kamin", die mir unglaublich viel weiterhelfen, wo ich gleichzeitig in meinem Taschenwörterbuch vergeblich nach "Rauchrohrkessel" suche ;).

Am Samstag war ich dann auch mal bei AIESEC Buenos Aires. Es tat extrem gut meine zweite Familie wiederzutreffen und festzustellen, dass die Teams und Tänze auch hier die gleichen sind wie in Deutschland (was ja eines der Grundideen AIESECs ist, das weltweit gleich zu gestalten). Die AIESECer waren supernett und wie es aussieht werd ich hier jetzt auch ein wenig mitarbeiten.

08-08-22 Tangoshow etc


Zu guter letzt noch ein wenig zum Nightlife (und das wird hier seinem Namen definitiv gerecht!). Letzte Woche bin ich mit Floriane (Mitbew. aus Frankr.) zu einer Tangoshow gegangen. Eigentlich bin ich nur hingegangen, weil man das hier in BA ja mal gemacht haben sollte. Ich wurde dann aber vollkommen überrascht, es war tatsächlich beeindruckend! Juan Carlos Cáceres, der auch schon mit Gotan Project produziert hat, hat mit seiner Band ein klasse Konzert gegeben. Im Gegensatz zum üblichen Tango war es gar nicht traurig sondern mitreißend. Es waren alle typischen Instrumente und mehr vertreten: violine, piano, trompete, bandoneon,
trommel, bongos, schelle und cello.

Am Freitag war dann ein La Vela Puerca Konzert dran. Die Konzerte von denen sind ja schon in Deutschland genial, aber hier, wenn 100% der Leute mitsingen, sind dann einfach noch eine andere Liga. Es gab einfach "buena onda", wie der Argeninier sagt. Gute Stimmung/Atmosphäre. Danach sind wir dann auf eine WG-Party..

Dienstag letzte Woche bin ich mit Anikka (Mitbew. USA) in eine Ami-Bar zum Beer-Pong spielen. DAS Trinkspiel in den USA. Problem is nur: Wer schlecht spielt, der trinkt viel und der spielt dementsprechend schlechter... (ob das die Idee bei Trinkspielen ist ;)?).

Und für alle Reultingen: Die Sirkka ist auch hier!! Durch einen Riesenzufall haben wir das rausgefunden. Sie hat sich erinnert, dass ich in Karlsruhe studier und da ein Argentinier von hier bal dnach KA geht zum studieren wollte sie mich fragen, ob ich ihn herumführe. Problem war nur, dass ich auch hier bin ;). Dienstag haben wir uns dann in einem AKK/HausderJugend ähnlichen Ort getroffen. Dieser Ort war einfach 1A Argentinien für mich. Gediegen mit entspannten Leuten, coolen Gesprächen und Protoyp-Argentinien die an der Wand lehnend auf großartige Art und Weise die Gitarre bearbeiten und rings rum ca. 10 die mitsingen. (Berni: Es gab auch eine Tischtennisplatte, yeah ;)!!).

08-08-19 Beer Pong


So, genug geschwafelt. Ich hoffe euch geht's allen gut! Sorry für die unpersönliche Art und Weise mich zu melden, aber es ist einfach unmöglich jeden anzuskypen. Ich tu aber mein bestes ....!

Sonntag, 10. August 2008

WG komplett - finalmente!

Hi ihr!

zunächst mal noch ein Nachtrag zum Busthema: Es gibt sage und schreibe 270 Linien hier in Buenos Aires. Und die erwähnte Münzenknappheit wird dadurch verschärft, dass die Banken daran mitverdienen wollen und die Münzen als Wechselgeld an Geschäfte mit Aufschlag verkaufen. Für 100 Pesos Münzgeld zahlt man dann also mehr als 100 Pesos. Das Ganze führt dann dazu, dass hier immer zwischen Kunde und Verkäufer gefeilscht wird, wie man zahlt. Kostet etwas 15 Pesos kann man 16 Pesos gebe und bekommt dann eine ein Pso Münze zurück. Dann fragt der Verkäufer aber ob man nicht 20 Pesos hätte, denn dann kann er einem einfach einen 5 Peso Schein zurückgeben ;).

So, soviel dazu. Ansonsten geht's mir hier gut. Meine WG ist mittlerweile komplett und es sind 3 top Leute am Start. Die zwei Mädels oben (links Anikka aus USA und rechts Florian aus Frankreich, sowie Fernando aus Honduras). Habe eine gutes Gefuehl, dass es mit denen eine super Zeit werden wird und sich tatsächlich WG Leben hier entwickeln wird, wo ich immer die Befürchtung hatte, dass es mehr zweckmäßig sein würde. Insgesamt ist hier alles total kosmopolitanisch. In den letrzten zehn Tagen konnte ich mich mit Leuten aus bestimmt ueber 15 Ländern unterhalten.

Was die Uni angeht, habe ich mittlerweile meinen Stundenplan. Ich befürchte allerdings, dass ich eine Fach davon noch weglassen muss, da zu den Unterrichtsstunden noch so Art praktische Anwendung in Unternehmen dazukommt und das sonst fast schon in Stress ausartet:

Mo: 19 - 22 Organisacion de la Produccion II
Di: 16 - 19 Maquinas e Instalacionas Termicas
Mi: 13 - 15 Spanisch, 19 - 22 Calidad (Qualitätsmanagement)
Do: 13 - 15 Spanisch, 16 - 19 Maquinas...
Fr: 15 - 18 Organisacion ...

Ein paar Bilder der Uni hab ich auf Picasa (siehe Link rechts hochgeladen). Eine recht altes Gebaeude und alles ist ziemlich klein. Insgesamt sind die aber super organisiert und es ist immer was los. Was die Lehre angeht kann ich es noch nich genau einschätzen, aber zumindest in Maquinas... ist es ziemlich gut.

Mittlerweile habe ich in der Uni und auf der Abschieds-Asado von einem deutschen Freund (Fabian Hinz) (Andi falls du das liest: Grüße von Christie aus Japan ;)) ein paar Argentinier kennengelernt. Die Sprachbarriere ist aber immer noch sehr deutlich zu spüren ;). Man hat immer das Gefuehl, dass die andern einen für so unglaublich dumm halten, weil man sich eben nich ausdruecken kann. Insb. weil das Verstaendnis einigermaßen ok ist (50-75% würde ich schaetzen, verstehe ich im Normalfall), man aber dann nicht entsprechend darauf reagieren kann. Tja was solls, das gehört dazu und man freut sich umso mehr wenn man dann ma eine halbwegs ordnetliche Konversation gefuehrt hat.

Ok Leute, bin leider zu müde, um weiter zu schreiben und ich muss endlich mal meine Erkältung auskurieren. Für die Interessierten gibt's unter den Bildern noch ab und zu ein paar Sätze.

Viele Grüße aus Buenos Aires

Montag, 4. August 2008

Lo más feo...

Mittlerweile bin ich schon 4 Tage hier und kann schon ein bisschen Bus fahren ;). Kein Spaß, die die schon mal in BA waren wissen es, es ist nicht leicht! Dabei meine ich nicht den Mut, den man teilweise mitbringen muss, bei den kranken Manövern, die so manche Busfahrer hier durchziehen, sondern das Finden eines richtigen Busses und das Aussteigen an der richtigen Stelle.

Ein "Netzplan" oder Fahrpläne gibt's nicht, sondern es gibt den Guia T, auch genannt "la biblia". Hier findet man für Capital, den Innenbereich von BA, Karten, die in Kästen eingeteilt sind (vgl. Bild). Für jeden Kasten gibt es eine Liste mit Bussen, die irgendwo durch diesen Kasten fahren. Will man also von A nach B sucht man Nummern, die sowohl im Kasten von A und im Kasten von B vorkommen. Danach macht man sich daran rauszufinden, wo im Kasten der Bus wohl ungefähr halten könnte. Dazu gibt's hinten in der "biblia" für jeden Bus eine Liste mit den Straßen, die er nacheinander befährt. Für Anfänger wie mich heißt das dann erst einmal suchen. Wenn der Bus dann keinen riesen Schlenker fährt macht man sich auf den Weg in die Straße und sucht einen Pfosten oder Baum mit der Nummer des Busses, denn zumindest theoretisch 'hält' (verringert seine Geschwindigkeit soweit, dass man reinspringen kann) der Bus da und kommt auch immer mal wieder (von 3x pro Minute bis 1x in 30 min) vorbei. Wenn man dann nicht vergisst dem Busfahrer deutlich zu signalisieren, dass man einsteigen will und vorausgesetzt dieser ist dir gut gesonnen und 'hält' für dich, hat man schon einen Gr0ßteil geschafft. Jetzt muss man nur noch verfolgen, wo man sich in etwa befindet und in der Nähe seiens Ziels aussteigen (insb. nachts sehr anspruchsvoll!). Hinzu kommt noch, dass man im Busnur mit Münzen zahlen kann und diese sind rar in Buenos Aires. Selbst Banken wechseln einem nicht mehr als 10 Pesos in Münzen.


Eine solche Bustour samt eines Besuchs auf einem art traditionellen Flohmarkt mit Tänzen etc. stand heute auf dem Programm. Mehr dazu bei den Picasa-Bildern (Link siehe rechts irgendwo).

Ansonsten hat mir Jean-Charles erzählt, dass ein Freund von ihm im Restaurant nach "lo más feo" (das Hhässlichste) gefragt hat und die gewünschte Rechnung erhielt. Gleichzeitig musste er im Eigenversuch ein paar Tage später feststellen, dass das nicht immer klappt *g*.

Was mich noch immer wieder schockiert sind die zahlreichen armen Leute, die von allem noch Verwertbaren leben. Neben den Kartoñeros sind das Familien, die gemeinsam Müllsäcke auf der Straße durchsuchen, Mädels die an der U-Bahn-Station neben der Kasse betteln, Behinderte, die in den Zügen sachen verkaufen oder Jungs, die von den U-Bahn-Reisenden danach die Zeitung entgegennehmen und wieder verkaufen bzw. als Karton verkaufen. Genauso krass ist, wie schnell man sich an den Anblick gewöhnt.

Nachdem mein alter MP3-Player sein Geist aufgegeben hat, diese hier im Laden ein Vermögen kosten, hab ich mich dem argentinischen Ebay (Mercado Libre) bedient und einen günstigen erstanden. Witzigerweise sind das meistens Händler hier in Kapital, die einem das sogar auf Wunsch per Mottorad ausliefern. Bei Regen kostet es dann 4 Peso mehr ;).

Freitag, 1. August 2008

Die ersten Stunden...

Nach einem 14-stündigem, glücklicherweise stattfindenden, jedoch vom Streik hinsichtlich Bordverpflegung betroffenen Lufthansa-Flug kam ich gestern Abend um kurz nach Sieben in Buenos Aires an.

Lisa, ich und eine andere Deutsche fuhren dann gemeinsam mit dem Taxi in die Stadt, um unsere einzelnen Wohnung abzuklappern und uns abladen zu lassen. Dank Verwendung eines Radio-Taxis (vgl. Tommy Jauds "Resturlaub") kamen wir auch allesamt mit Gepäck und fairem Preis an. Mit dem Taxifahrer konnte ich auch gleich mal meine Spanisch-(Un)kenntnisse ausprobieren.

Letztendlich stand ich vor meiner Wohnung und schaffte es nach einem Anruf auch die richtige Klingel zu drücken. Dort wurde ich dann von der Vermierterin eingewiesen und unterhielt mich dann noch mit dem einzig anwesenden Mitbewohner aus Frankreich bis mich um Zwölf die Müdeigkeit dahinraffte.

Glücklicherweise kam mir während des Fluges noch der Geistesblitz, dass der 31. Juli - und damit der Einführungstag - ja schon der Donnertag ist, so dass ich heute also von kurz nach Neun bis um Sechs an der Uni bzw. auf Stadttour war. Danach gings in der randvollen(!, man muss sogar manche Bahnen vorbei fahren lassen, weil man nicht reinkommt!) U-Bahn gen Wohnung. Davor musste ich noch Geld holen, um den Vermieter zu bezahlen. Dabei durfte ich wieder feststellen, dass das absolute Abhebemaximum je Automat bei 600 Pesos (130 EUR) liegt ;).

Nachdem ein paar WG-Bewerber für das letzte freie Zimmer vorbeikamen (und ich dachte ich hab das hinter mir) gab's dann endlich das erste echte Fleisch (!= Hühnchen). Dabei ging's mir in etwa so wie dem Comicmännchen oben und vom Geschmack fang ich erst gar nicht an zu erzählen ;)! Auch Lisa - "soy vegetariano" - kam dann pünktlich zum Fleischspektakel Nr. 1 vorbei. Naja immerhin hatte wir kaltes Quilmes-Bier für sie...

<...>

Soviel zunächst mal.

Grüße aus Buenos Aires!