Montag, 20. Oktober 2008

Prüfungen - Reisen - AIESEC-Konferenz

Hallo ihr,

ja ich lebe noch :) und es geht mir gut. Es ist nun tatsächlich schon eine ganze Weile her, dass ich das letzte Mal was geschrieben hab'. Seitdem ist natürlich eine ganze Menge passiert und leider erinnere ich mich weder an alle interessanten Details, noch möchte ich ein halben Roman schreiben. Deswegen schreib ich einfach was mir in den Sinn kommt; ich hoffe es wird dadurch nicht zu chaotisch.

Nach dem letzten Eintrag folgte zunächst mal eine Zeit in Buenos Aires, die mit den ersten Zwischenprüfungen zu Ende ging (September), dann eine 2 wöchige Reise nach Chile und in Argentinien (erste Hälfte Oktober) und jetzt noch eine AIESEC-Konferenz hier in und um Buenos Aires (Freitag bis gestern).

Ich werde mich mal von der Gegenwart in die Vergangenheit hangeln, da die Erinnerungen an die nahe Vergangenheit noch am lebendigsten und somit interessantesten sind. Wenn ihr gerade keine Muse habt auf so viele Buchstaben, hier geht's direkt zu den Bildern.

AIESEC-Konferenz "Activating Heroes Buenos Aires 2008"

Als ich letzten Dienstag von meiner Reise zurückkam, war u.a. eine E-Mail von Andrés einem AIESECer in meinem Postfach. Er bot mir an mich noch nachträglich zur Konferenz anzumelden, wenn ich Lust habe. Ich war hin und her gerissen, da ich dort weder irgendjemand richtig kannte, noch wusste, ob meine Spanischkenntnisse ausreichen würden dort gewinnbringend teilzunehmen oder mich die ganze Zeit nur langweile. Glücklicherweise überwand ich meine Hemmungen, indem ich mir zum einen in Erinnerung rief, dass bisher jede AIESEC-Konferenz eine super Zeit und große Bereicherung war und man manchmal seinen eigenen Schweinehund überwinden muss und sich aus seiner "Komfortzone" herausbewegen muss, auch wenn man dann evtl. auf unangenehme Situationen stößt. In meinem Fall war meine Befürchtung eben auf der Konferenz nich wirklich Anschluss zu finden.

08-10-19 AIESEC Activating Heroes


Im Endeffekt bin ich wirklich sehr froh mich überwunden zu haben und habe trotz teils komischen Momenten (à la "neben wen setz ich mich den jetzt" über "was reden die da gerade" und "argh, ich würde jetzt gern was sagen kann es aber nich richtig formulieren") eine super interessante Zeit gehabt, viele nette Leute kennengelernt und viel gelernt. Der Freitag der Konferenz war in Buenos Aires und stand unter dem Thema "Nachhaltigkeit". Es gab viele Firmen und Verbändevertreter, die über CSR, NGOs, etc. gesprochen haben und mit denen wir Case-Studies bearbeitet haben. Am Abend gings dann ins 2h entfernte Luján, wo wir das Wochenende viele AIESEC spezifische Workshops hatten. Mt von der Partie waren 4 Lokalkomittees: Buenos Aires, Montevideo (Uruguay), Córdoba und Tandil.

Reise nach Valparaiso (Chile) - Mendoza - Puerto Madryn

Etappe 1: Valparaiso (Chile)

Nachdem ich meine 2 "parciales" absolviert hatte, war es Zeit mal aus Buenos Aires rauszukommen und auszunützen hier in Südamerika zu sein. Lisa (mit der ich den ersten Teil der Reise unternahm) und ich sind dann also am Mittwoch gemeinsam mit dem Bus über Mendoza nach Valparaiso in Chile gefahren (21 h). Unterwegs haben wir logischerweise die Anden überqueren müssen, was im Endeffekt aber gar nich so spannend war. Dummerweise hatte ich aber auch vergessen den Busfahrer zu beten mich zu informieren, wenn wir am Aconcagua (höchster Berg in Südamerika 6xxx m) vorbeifahren. In Chile angekommen war es zunächst mal interessant den doch unterschiedlichen Menschenschlag (indigener, kleiner, viel leiser, dunkel angezogen und meiner Meinung nach nicht so hübsch ;)) samt anderem Akzent (das "s" wird konsequent unterschlagen) und eigenen Modewörtern ("oye", "sipo") zu sehen.


08-10-02 Valparaiso (Chile)
Gewohnt haben wir bei Freunden von meiner Schwester aus Dresden. Valparaiso liegt wirklich paradisisch über Hügel verteil direkt am Meer (so stell ich mir Rio vor) und hat eine angenehme Größe (nich zu groß, nich zu klein). Das Haus von denen war auch genial gelegen mit einem kleinen Garten durch den ein Flüsschen floß und mit Meeresblick (wenn ich da an meine Wohnbatterie mit Straßenblick und 100 db zurückdenke ;)). Am ersten Abend gab's dann erst mal Reyneta (typischer chilenischer Fisch, extrem praktisch da groß und quasi 100% Filet) a la "Seviche". Dabei wird der Fisch anstatt zu kochen einfach in einer Mischung aus Chili und Limonensaft gegart durch die Säure und Schärfe. Am Freitag ging's dann zur Sommerresidenz von Pablo Neruda (@Berni: cool, dass du da auch schon dein Unwesen getrieben hast ;)) einem etwas durchgeknallten (das Haus ist voller bizarrer Sammelobjekte) chilenischen Literaturnobelpreisträger. Das Haus selbst ist ein Traum und liegt noch viel traumhafter (Blick direkt vom Bett durch Bodentiefe Glasscheiben auf einen wunderschönen Sand/Felsstrand).

Angetan von diesem Luxus sind wir dann Samstags mit vollbepackten Rucksäcken selbst losgezogen und zu einem 2h von der Zivilisation entfernten Traumstrand gelaufen, wo wir dann nach vielem herumirren auch ankamen und mit Lagerfeuer am Strand die Nacht und den halben Sonntag verbrachten. Außer uns war noch eine Gruppe von Chilenen vor Ort, die uns nachts dann auch fleißig mit Wein ("vinito, vinito") und dem chilenischen Nationalgetränk Pisco (Fusel, aber gemischt mit Limone und geschlagenem Eiweiß sehr lecker, nennt sich dann Pisco Sour) versorgten. Sonntags wurden dann die Felsen beklettert, die Sonne genoßen, der Pazifik besucht (fast 30 sek lang!!) und zurückgewandert. Nach einem stärkenden Risotto samt schlafunterstützendem Wein gings dann mit dem unbequemen Nachtbus über die Anden zurück nach Mendoza. Unterwegs wird man dann freundlicherweise um 2:00 schlaftrunken an der Grenze von Schalter zu Schalter dirigiert.

Etappe 2: Mendoza

Wir kamen dann Montag morgens um 6:00 in Mendoza an und haben uns erst mal auf die Suche nach einem Hostel gemacht, um dort dann nochmal 2h zu schlafen. Wir kamen dann im Campo Base, einem HI Hostel, unter, was auch ganz in Ordnung war. Den ersten Tag haben wir dann ganz gediegen in Parks und Cafés verbracht und die nächsten Tage geplant. Die Stadt ist echt wunderschön, voller Parks und sehr ruhig, aber nicht verschlafen. Sie liegt am Fuß der Anden und ist umringt von einem Meer an Wein-Bodegas.

Am Dienstag gings dann zum Paragliden. Ein Sprung kostet hier halt umgerechnet knappe 45 EUR inkl. allem und ist damit verglichen mit Europa (100-180 EUR) ein Schnäppchen. Wir sind dann also zunächst mit Jeeps in die Vorkordilleren gedüst, auf einen Hügel der relativ zu Mendoza 650m weiter oben liegt. Dort hat man einen traumhaften Ausblick mit Mendoza und Weinfeldern auf der einen und schneebedeckten Anden auf der anderen Seite. Nachdem der Tandemkollege dann sorgfältig seinen Schirm startklar gemacht hat wird man in ein Gurtegerüst samt Notfallschirm verfrachtet und an seinen Tandempartner angekettet. Der Start ist dann schon ziemlich cool, wenn auch weniger spannend wie ich dachte/hoffte. Man läuft nämlich einfach vorwärts und fängt dann an ein wenig loszurennen und schwups die wups wird man vom Schirm nach oben gezogen und kann losfliegen. Am Anfang sind wir dann über die Hügel gekreist auf der Suche nach Thermiken, die wir zum weiteren aufsteigen nützen können. Die Bedingungen waren scheinbar extrem günstig, was mein Kollegen zu immer mehr Freudensausrufen animierte. Lisa flog gleichzeitig (mit dem 2-fachen argentinischen Champion im Distance-Flug) und unsere 2 Kollegen machten ein paar Manöver nebeneinander. Irgendwann gings dann über das freie Feld und es ging los mit den Tricks. Zunächst mal eine Spirale, bei der man immer weiter beschleunigend nach unten dreht und wilde G-Kräfte zu spüren bekommt. Mit der Geschwindigkeit kann man dann am Schluss wieder nach oben ziehen und erreicht dann einen Punkt der Schwerelosigkeit (ungefähr wie beim Schaukeln am oberen Ende, blos halt bissle weiter oben). Dann gab's noch den "wing-over", bei dem man von links nach rechts schaukelt und teilweise über seinem eigenen Schirm ist, auch hier gibt's wieder "zero-gravity". Lenken durfte ich dann auch ein wenig, aber die Tricks wollt er mich dann doch nich machen lassen. Die Landung ist dann auch wieder deutlich weniger spektakulär wie erwartet. Statt wildem rumgerenne und halben Überschlägen kommt man quasi direkt zum Stehen. Alles in allem war es extrem cool und hat sich auf jeden Fall gelohnt. Das nächste Mal will ich dann aber schon alles selber machen dürfen ;). Den Abend haben wir dann ganz im Backpacker-Stil mit allerlei Weltenbummlern und den üblichen Gesellschaftsdrogen im Hostel verbracht.

08-10-06 Mendoza


Am Dienstag ging's dann mit einer Tour (kann jedem nur empfehlen, dass nicht mit einer Tour sondern auf eigene Faust zu machen, is einfach flexibler, billiger und witziger) auf dem Radel durch die nahegelegenen Weingebiete von Bodega (Weingut) zu Bodega. Insgesamt waren wir bei 3 Weingüter, einem Olivenhain und einem Likörhersteller. In den Weingütern haben wir gelernt wie man Wein probiert (sehr interessant und man nimmt viel bewusster war, was man da eigentlich für einen Tropfen vor sich hat: erst Glas neigen und mit der Nase riechen, dann Farbe begutachten, anschließend "öffnen", d.h. durch das berühmte Kreisen den Sauerstoff hinzufügen, anschließend erneut neigen und riechen, der Geruch ist hier schon deutlich verschieden, dann kosten und Wein im Mund von einer Seite zur anderen bewegen). Wir haben dann natürlich ordentlich probiert und eingekauft. Am coolsten war aber fast der deutsch-französische Argentinier, der zig verschiedene Liköre, Schnäpse und Konfitüren selbst herstellte. Ich durfte sein Dulce-de-Leche-con-Chocolate-Likör und sein Kaffee-Likör probieren - weltklasse!

Lisa ist dann abends nach Buenos Aires zurückgefahren und ich hab mehr oder weniger spontan meine Reise noch verlängert. Ich bin dannnoch eine nacht in Mendoza gebliben und am nächsten Tag wieder in die Vorkordilleren, um dort klettern zu gehen. Für mich war es das erste mal am Felsen draußen und es war genial. Dass der chillige Argentinier der mich sicherte nebenher Mate getrunken hat, muss ich ja glaube ich mittlerweile nich mehr erwähnen ;)). Die Rückfahrt nach Mendoza war dann nochmal recht spannend, nachdem der Bus irgendwie nich kam bzw. wir ihn nicht erkannt haben, ich kam dann just-in-time noch zum Busbahnhof um meinen Bus nach Puerto Madryn zu bekommen.

Etappe 3: Puerto Madryn / Península Valdez

Ein paar Fakten zur Busfahrt: 25h, semi-cama (schlechteste Klasse), erst schlafwandelnder Nebensitzer, dann Minenarbeiter, zu jedem Essen ein Alfajor (= 4), Luftlinie 1200 km. Die Busfhafrt war aber im Endeffekt lang nich so schlimm wie befürchtet. Auch mein Opi, der mich nachts in seiner Schlafwandlung gehauen hatte und den ich dann aufwecken musste ;), war alles in allem ein super Typ und ich hab mich prächtig mit ihm über die verschiedenen Provinzen Argentiniens, Pinienkernsammler und Klimawandel unterhalten. Der zweite war aber eigentlich noch cooler. Der muss doch tatsächlich alle 10 Tage von seinem Wohnort 20h Bus zu seinem Arbeitsplatz in Südpatagonien fahren. Dort arbeitet er in einer Silber- und Goldmine in der Lagerhaltung. War ein cooler Typ der mich über Deutschland ausgefragt hat und auf nachfragen immer die Landschaft (was wird angebaut, welcher Vogel, welcher Fluß) erklärt hat.

08-10-10 Puerto Madryn


In Puerto Madryn hab' ich mich dann mit ein paar andern Austauschstudenten meiner Uni (übrigens, wen's interessiert, hier gab's vor kurzem ein Artikel über meine Uni, is aber auch nich alles wahr darin ;)) getroffen. Abends sind wir dann gleich mal Fisch, Muscheln, etc. essen gegangen, was sich für eine Stadt am Meer ja gehört. Das hat sich dann am nächsten Tag gerrächt. Im Laufe unserer 300km Tour über die Península hat sich angefangen von meinen Oberarmen mein Oberkörper rot verfärbt. Ich hatte irgendwann dann doch ganz schön schiss, weil ich dachte mich hat etwas gestochen und ich reagier jetzt allergisch. Mein Notfallkit hatte ich natürlich nicht dabei. Die nächste einigermaßen größere Stadt war halt 3h Autofahrt entfernt und Handyempfang gabs auch nicht. Es blieb dann glücklicherweise rot und hat gejuckt und wurde nicht schlimmer, bis ich abends ins Krankenhaus gegangen bin, mit der Scharlatan dort erzählte, dass sei eine Reaktion auf einen Flohbiss und mir eine Spritze mit Antihistaminikum reingejagt hat. Es war dann auch gut bis zur Mitte des nächsten Tages, wo es mit aller Gewalt zurückkam und wir gleichfalls ewig von der Zivilisation entfernt waren. In einer andern Stadt bin ich dann wieder in ein Krankenhaus und der Arzt hatte dort zum Glück mehr Plan und meinte es sei niemals ein Flohbiss, sondern höchstwahrscheinlich eine Reaktion auf ein Lebensmittel (vermutlich Meeresfrucht oder Fisch) und würde ein paar Tage dauern. Mit seinen Tabletten war's dann aber top.

Aber zurück zur Tour am Samstag. Die Landschaft dort unten ist äußerst karg. Es gibt 120 Pflanzen, nicht mehr und im Prinzip leben alle von der Schafzucht. Der Rest lebt vom Tourismus und der begründet sich einzig und allein auf der einzigartigen Fauna. Die Península ist nämlich der "Heimathafen" von ca. der Hälfte aller südlichen Glattwale (40 Tonnen, 20m), Heimat einer Unzahl von Pinguinen, Seelöwen und Seeelefanten, komischen Hasen und Lama-ähnlichen Guanacos und nicht zu vergessen Millionen von Schafen.

Die zwei besten Dinge an dem Tag waren zum einen die Schafestancia, bei der wir sowohl das Scheren (1,5 min pro Schaf), als auch bei der Kastration (neue Methode: Gummiring um Hoden, die fallen dann irgendwann ab; alte Methode: Schaf auf Pfahl setzen, Hoden in den Mund nehmen und kräftig zubeißen). Das andere war das Wale-Gucken (wie übersetzt man eigentlich "whale-watching"??). In dem kleinen Golf, der sich dort bildet tummeln sich ca. 1000 Wale. Hauptsächlich Mütter mit ihren Neugeborenen (die wachsen bis zu 3cm pro Tag!). Die Wale sind enorm und kommen hautnah ans Boot heran. Wahnsinn, dass es so große Tiere gibt und die dabei noch so schlau sind.

Am Sonntag haben wir uns dann Autos ausgeliehen und sind 180km nach Süden geheizt, wo eine riesige Pinguinkolonie lebt. Schaut euch einfach die Bilder an, sehr cool! Am Montag vor der Abreise haben wir uns dann noch Fahrräder ausgeliehen und sind ein wenig an der Küste entlanggeradelt.



So, hab jetzt erst mal keine Lust mehr. Hoffe euch gehts allen gut!!

Jo, Joe, Jojo

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